Dienstag, 25. Juli 2017

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017): Kritik - Hingucker mit Plot-Problemen


Der popkulturelle Raum des Frankobelgischen hat den globalen Comicmarkt mit einer Reihe an weltbekannten Klassikern jahrelang stilprägend beeinflusst. Doch neben allseits bekannten Werken wie „Asterix“, „Lucky Luke“, oder „Tintin“ gab es eine Serie, die zwar dem Mainstream weniger bekannt war, die aber aufgrund ihrer kreativen Science-Fiction Vision einem speziellen Mann besonders ins Auge fiel. Luc Besson, der bereits mit „Das fünfte Element“ ein Händchen für unkonventionelle und frische Sci-Fantasy bewiesen hat, zeigt auch in seinem neusten Film, wie sehr ihm die detail- und ideenreiche Ausgestaltung frischer Fantasywelten mit epischem Ausmaß liegt. In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ kommt man als Zuschauer teilweise gar nicht mehr aus dem Staunen raus und wird zuweilen so sehr in das faszinierende und bunte Universum gesogen, wie man es sonst nur von der absoluten Elite anderer Genrevertreter kennt.


Star Wars sagt danke

Zufall? Gemeinhin existiert nämlich die urbane Legende, dass sich George Lucas für sein Magnus Opus „Star Wars“ einiges an Inspiration von „Valerian und Veronique“ geholt hat, der ursprünglichen Comicreihe, auf die der neue Besson fußt. Jedoch hat Lucas selbst nie ein Wort über die zahlreichen Parallelen verloren, die man zwischen den beiden Werken erkennen kann. Und wenn ich mal eine gewagte These in den Raum stellen darf; ich bezweifle, dass er es jetzt noch tun wird. Doch lasst uns zurückkehren zum eigentlichen Thema und der Frage, ob Luc Besson’s neues Projekt, für dass er über viele Jahre hinweg Geld gesammelt hat, um abseits von den Produktionsstrukturen großer Hollywood Studios arbeiten zu können, auch das hält, was es verspricht, und ob es den Erwartungen eines „180 Millionen Dollar Indie“ gerecht wird.


Spezialagent Valerian auf der Raumstation Alpha

Kann man diese Frage mit einem kurzen ja oder nein überhaupt beantworten? Nicht wirklich. Ich hatte eine Menge Spaß mit „Valerian“, allerdings gibt es einige Kritikpunkte, die man zum einen nicht ignorieren darf und die zum anderen dem Filmgenuss an manchen Stellen sichtbare Dämpfer verpassen.

Intergalaktische Superagenten

In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ begleiten wir die beiden Spezialagenten Major Valerian und Sergeant Laureline bei ihrem, von der menschlichen Regierung beauftragten Job als Ordnungshüter der Galaxis. Direkt zu Beginn werden die beiden mit der Mission ausgestattet, ein letztes lebendes Exemplar einer beinahe ausgestorbenen Spezies ausfindig zumachen, doch schnell merken die Zwei, dass sie nicht die einzigen mit diesem Ziel sind. Kurz darauf stolpern Valerian und Laureline in eine ganze Reihe an Verstrickungen, Konflikten und Ungereimtheiten, die es zu lösen sowie aufzudecken gilt und die nicht nur die Überlebensfähigkeiten der Spezialagenten strapazieren, sondern auch weitreichende Konsequenzen zu haben scheinen, über deren Ausmaße sich die beiden selbst noch nicht bewusst sind.


Detailreiche Aufnahmen wie diese sind es, die Valerian in seinem besten Licht erstrahlen lassen

Tolle Bilder, langweilige Hauptfiguren 

Die beiden Adjektive, mit denen sich „Valerian“ am akkuratesten beschreiben lässt, sind bereits gefallen – bunt und ideenreich. Auf der visuellen Ebene kommt man nicht umhin dem Film eine absolute Glanzleistung zu attestieren. Bereits in seinen ersten Szenen präsentiert Besson Bruchstücke einer Welt, die ihre eigene Magie ausstrahlt und deren Seele als Produkt des kreativen Schaffensprozesses deutlich zu sehen ist. Man kann sich kaum satt sehen an manchen Bildern und in seinen besten Momenten schafft es „Valerian“ durch das kreative Worldbuilding, seinen immersiven Szenerien und abgedrehten Aliens den Zuschauer in seine Welt zu ziehen und etwaige Schwächen vergessen zu lassen.

Diese „suspension of disbelief“ hielt bei mir jedoch meist nur so lange an, bis einer der Hauptcharaktere den Mund aufmachte, womit wir bei einem der, meiner Meinung nach, größten Schwächen der Weltraum-Geschichte angekommen sind. Ich weiß nicht, ob es zuweilen möglicherweise an einer schlampigen Übersetzung liegt, aber viele der Dialoge, vorzugsweise die der beiden Hauptdarsteller, wirken oft dilettantisch und beinahe schon zum Fremdschämen. Es entsteht absolut keine Spannung und Chemie zwischen den beiden Figuren, da ich von diesen zu wenig erfahre und sie mir durch ihre Gespräche und ihr Handeln zu wenig ans Herz wachsen. Ich würde vielleicht fast schon so weit gehen, dass sie teilweise ganz schön unsympathisch rüberkommen. Auch das wäre durchaus ok, wenn man denn nur vernünftige Dialogzeilen hätte, die die beiden als „sympathische Unsympathen“ etablieren würden. Leider wirkt der ein oder andere Austausch gerade so, als hätte ihn ein Viertklässler geschrieben, was dazu führt, dass emotional beabsichtigte Szenen ein wenig im Sande verlaufen, oder noch schlimmer, zu heftigem Augenrollen führen.


Sergeant Laureline wird als der besonnenere Gegenpol zu ihrem Kollegen etabliert, redet allerdings leider ähnlich viel Stuss

Vergeudetes Potenzial 

Auch die Story gewinnt nicht unbedingt einen Dramaturgie-Oscar, zeigt aber gelegentlich dennoch interessante und spannend inszenierte Momente. Leider hätte man hier, vor allem im Kontext der hochkreativ gestalteten Filmwelt, einiges mehr rausholen, vor allem, was die Implementierung der beiden Hauptfiguren in den Plot angeht. Die stellenweise gut gedachte Geschichte, tröpfelt leider durch ihren zuweilen seltsamen Plotaufbau und ihre qualitativ ambivalenten Dialoge dahin und lässt einen hin und wieder darüber nachdenken, dass es vielleicht gar nicht so viel gebraucht hätte, um die interessanten Aspekte mehr herauszuarbeiten und der ganzen Story einen Funken mehr Einprägsamkeit und Besonderheit zu verleihen – ein Ziel, das auf cineastischer Ebene durchaus erreicht wurde.

Und deswegen würde ich – auch trotz der ganzen Schwächen, die ich bei „Valerian“ auf narrativer Ebene sehe – empfehlen, ihn im Kino zu sehen. Alleine eine der ersten Szenen des Films, welche auf einem multidimensionalen Bazar spielt, bietet so viele fantastische, einfallsreiche und innovative Ideen was Sci-Fi angeht, dass man als Fan des Genres nur anerkennend nicken und schmunzeln kann. Wer sich also gerne wieder von einer Star Wars-esquen Fantasywelt im Weltraum verzaubern lassen möchte, und der während gelegentlichen fremdschämigen Gesprächen auch mal weghören kann, dem sei der Film wärmstens ans Herz gelegt. Denn wer schon mit der kreativen Gestaltung von „Das fünfte Element“ seine Freude hatte, bekommt hiermit das wohlverdiente und technisch um Welten aufgerüstete Update, das in der Darstellung seiner Szenerien problemlos mit Besson’s Inspirationsquelle Nummer 1, „Avatar“ von James Cameron, mithalten kann.

Neue Ideen braucht das Land! 

Und spätestens jetzt sollten alle Fans cineastisch atemberaubender Science-Fiction abseits des momentanen Marvel-Monopols aufspringen und zur nächsten Kinokasse spurten. „Valerian“ mag vielleicht kein perfekter Film sein, vielleicht ist er sogar ein ganzes Stückchen davon entfernt. Aber dennoch braucht es mehr Filme, die mutig einen genau solchen Ansatz verfolgen und die in ihrer Darstellung und ihrem Ideenreichtum neue Akzente setzen, abseits der altbekannten Evergreens, abseits von der aktuellen Kinokrankheit der „Sequalitis“ und abseits vom Mainstream. Und genau so einen Mut gilt es zu unterstützen.

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