Sonntag, 7. Februar 2016

Darkest Dungeon: Geschichten aus der Gruft


Huhu. Ist mittlerweile ganz schön lange her, dass ich mich hier habe blicken lassen. Es gab viel zu tun und leider hatte ich nur wenig Zeit für Videospiele, Filme, Serien und alles was sonst noch einen Bericht in Form eines Blogpost wert gewesen wäre. Das ändert sich jedoch gerade glücklicherweise. Das erste Opfer meiner sträflich vernachlässigten Schreiblust: Darkest Dungeon. Ein kleines, aber feines Steam-Spiel, das am 19.1. offiziell erschienen ist. Nach der ersten handvoll Stunden war ich ehrlich gesagt ziemlich begeistert von diesem Titel, der mit seinem bock hartem Schwierigkeitsgrad zugegebenermaßen die Erinnerung an die ein oder andere verzweifelte Dark Souls-Session wachgerüttelt hat. Was euch jetzt erwartet ist jedoch keine elaborierte Kritik, sondern ein kleines Experiment. Bevor ihr euch folgende Geschichte durchlest solltet ihr am Besten MINDESTENS einen Trailer zum Spiel anschauen, Kenntnisse über die Spielmechaniken wäre sogar noch mehr von Vorteil. Ich will euch gar nicht weiter auf die Folter spannen, sondern wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
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Der Wirt war gerade dabei, das letzte milchig aussehende Glas mit seinem dreckigen Lumpen sauber zu wischen, als er sie sah. Ganz in der Ferne, am Horizont kamen drei Gestalten langsam schlurfend in Richtung des Dorfes gelaufen. Je näher das bewaffnete Trio rückte, desto mehr konnte man die eiserne und leere Miene jedes Einzelnen der Truppe erkennen. Der Wirt bildete sich sogar ein, zu sehen, dass der ein oder andere Bewohner, an dem die Gruppe vorbeikam, nach Anblick der blutverschmierten und zerfetzt aussehenden Erscheinungen ein Stück zurück wich. Als sie die Taverne des Wirt passierten, löste sich einer der Drei wortlos von den anderen Beiden und betrat schnurstracks die Innenräume der finsteren Schenke.


„Das gleiche wie immer?“ fragte der Mann hinter der Theke den bärtigen, breit gebauten Mann, der gerade sein gigantisches Langschwert an dein Hocker lehnte, auf den er sich instinktiv gesetzt hatte. Mit einem kurzen „Ja.“ bestätigte der Krieger die Frage, kurze Zeit später nippte er bereits an seinem Bier. Stille herrschte für einige Augenblicke, in denen man lediglich den bärtigen Mann beim Schlucken wahrnehmen konnte. Zögerlich fing der Wirt schließlich doch noch an zu sprechen: „Als ihr losgezogen seit, wart ihr zu viert...“ fragte er langsam. „Verdun hat es nicht geschafft“, kam es wie aus der Pistole geschossen vom bewaffneten Mann, während er mit einer Geste um ein weiteres Bier bat. Die Emotionslosigkeit, die in der Stimme des Kriegers lag, schockierte den Wirten und er fragte sich insgeheim, was ein Mensch wohl alles durchleiden musste, um den Tod so gleichgültig gegenüber zu stehen.




„Es ist meine Schuld. Wir hatten unseren Auftrag bereits erledigt, aber ich wollte nicht aufbrechen, ehe wir alle Ecken des Verlieses erkundet hatten. Und dann gab es einen Hinterhalt, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Verdun war bereits angeschlagen. Es war meine Habgier, die ihn getötet hat.“ Der Wirt atmete schwer aus. Der bärtige Mann hatte ihm schon oft Geschichten von seinen Abenteuern erzählt, und nur selten berichtete er dabei von erfreulichen Erlebnissen. Im Gegenteil. „Sie haben uns auf dem falschen Fuß erwischt“, fuhr der Mann fort „und plötzlich war es Verdun, der den Abscheulichkeiten, gegen die wir im Kampf waren, an vorderster Front entgegen stand“. Der Wirt runzelte die Stirn und flüsterte seinem Gegenüber halblaut zu: „Von dem was man sich hier erzählt und von dem was du mir bereits berichtet hast – ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schrecklich es sein muss, sich diesen Kreaturen zu stellen... wie kannst du nachts ruhig schlafen!?“ beendete er seine Äußerung, lauter als er eigentlich vor hatte.


„Du willst wissen wie es dort ist?“, fragte der Krieger mit einem verzerrten Gesichtsausdruck, der früher vielleicht als verschmitztes Lächeln durchgegangen wäre, im von Schnitten übersäten, zerzaustem Gesicht des Mannes jedoch sehr seltsam, geradezu wahnsinnig aussah. „Dann erzähl ich dir mal was“, begann er und nahm zum ersten Mal seit dem Beginn des Gespräches seine Hand von seinem Getränk. „Dort drinnen bist du völlig auf dich allein gestellt. Auf dich und deine Gruppe. Es gibt keine Kavallerie, die dir im letzten Moment unter die Arme greift, kein Happy End und kein plötzliches, erleichtertes Aufwachen, wenn du gerade mal wieder denkst, dass du dich in deinem schlimmsten Albtraum befindest.


Regel Nummer eins: Dort ist es stockfinster. Wenn du nicht langsam aber sicher dem Wahnsinn verfallen und den Überblick über das Geschehen verlieren willst, schau immer zu, dass du genug Fackeln im Gepäck hast. Auch ist es wichtig, dass du an deine Verpflegung denkst. Es kann sein, dass du dort drinnen Stunden verbringst, Stunden, die sich wie Tage und Wochen anfühlen werden. Du musst deine Kräfte bewahren können. Aber der Kern des ganzen, ist die Gruppenkonstellation. Glaub mir, ich hab schon einige Truppen loslaufen sehen, die bereits VOR jeglicher Konfrontation dem Tode geweiht waren. Abenteurer werden hier schließlich genug angeliefert, von daher ist es wichtig, eine Gruppe zu bilden die optimal zusammenarbeiten kann. Gib den Fernkämpfern den nötigen Abstand zu deinen Gegnern, schütze diejenigen, die im Stande sind heilende Kräfte zu wirken und schau bloß zu, dass die Kräftigsten nah Genug am Scharmützel sind“, schloss der bärtige Mann mit einer weiteren entstellenden Grimasse, während er auf das Schwert klopfte, das an seiner Seite lehnte.




Mit großen Zügen leerte er anschließend sein zweites Bier und fuhr fort: „Es wird Momente geben, in denen du verzweifeln wirst. Du wirst Brüder und Schwester verlieren und dich fragen, wieso du überhaupt noch weitermachen solltest. Du wirst bleibende Schäden hinterlassen...“, er schnipste vielsagend gegen das leere Glas „...und es wird irgendwann der Tag kommen, an dem auch du ins Gras beißen wirst. Dieses Wissen musst du haben, wenn du dich dem Kampf stellst“. Stille. Gerade als der Wirt seinen Mund öffnen wollte, bereit eine der vielen Fragen zu stellen, die ihm nun nach dem Monolog des Kriegers ins Gedächtnis geschossen waren, hörte man, wie jemand heftig seine Handknöchel gegen eines der rußigen Fenster der Taverne schlug. Beide drehten sich um und sahen, wie die Begleiter des bärtigen Mannes durch das Glas lugten und mit einer Handbewegung ihren Mitstreiter herbei gestikulierten. Hinter den Beiden stand eine neue, dritte Person.


Der bärtige Kämpfer kramte ein paar Goldstücke aus seiner Tasche, warf sie auf den Tisch, schulterte sein Langschwert und lief zum Ausgang. Auf der Schwelle drehte er sich noch einmal um und ließ erneut sein schelmisches Lächeln spielen. Diesmal konnte man sogar die Ecke eines gelblichen Zahns erkennen. „Gutes Gebräu hast du da. Halt was davon für das nächste Mal bereit“. Die Schwingtüren hinter sich zufallen lassend verschwand der Mann mitsamt seinen Mitstreitern in der Dunkelheit, die sich mittlerweile im Dorf breit gemacht hatte. Nachdenklich warf der Wirt ihnen noch einen letzten Blick zu, ehe er sich erneut seinen Lappen zuwandte und damit begann, die restlichen Gläser zu reinigen. Auch wenn er äußerlich in diesem Moment souverän erscheinen mochte: Die Frage, ob er den bärtigen Mann möglicherweise zum letzten Mal begegnet war, wollte ihm nicht aus dem Kopf gehen.


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