Sonntag, 30. August 2015

Frank (2014) - Kritik: Aus der Liebe zur Musik


Der junge Jon hat es wahrlich nicht leicht. Der in einer kleinen britischen Stadt lebende Keyboardspieler versucht sich mehr schlecht als recht an einer Karriere als Singer-Songwriter an seinem elektrischen Klavier, stellt aber leider immer wieder aufs Neue fest, dass ihm die musikalische Kreativität nicht wirklich gewogen ist. So ist es für ihn ein glücklicher Zufall, als er auf den Pappmascheekopftragenden, obskur wirkenden Frank und dessen Indie-Band „Soronprfbs“ trifft, die gerade in diesem Moment einen neuen Keyboarder suchen. Jon nimmt das Angebot der abgedrehten Gruppe an und findet sich schließlich kurze Zeit später in einer isolierten, einsamen Hütte in Irland wieder, in der das neue Musiker-Konglomerat anfängt an einem gemeinsamen Album zu arbeiten.




Der Elefant im Raum

Was bei „Frank“ natürlich direkt ins Auge sticht, ist die markante Kopfbedeckung die das namensgebende Bandoberhaupt konsequent trägt. Dadurch wird dem Charakter eine leicht mysteriöse Note gegeben und auch mit seinem Handeln bestätigt der Musiker mit dem Faible für das Abgedrehte diesen Eindruck. Auch die Musikrichtung der Band mit dem unaussprechlichen Namen ist kaum zu kategorisieren. Franks Methoden der kreativen Entfaltung erstaunen Jon, der anfängt die absurden Methoden seines Band-Leaders ins Netz zu stellen und der damit langsam aber sicher für einen medialen Buzz um ihre Gruppe sorgt.


Der 2014 erschienene Streifen von Lenny Abrahamson spricht vielerlei Themen an und es ist nicht wirklich einfach zu sagen, was eigentlich die Kernaussage von „Frank“ sein soll. Zum einen spielt ganz klar die, legere gesagt, Mediengeilheit eine Rolle, die im Film durch die Figur des Jon repräsentiert wird. Schon zu Beginn sehen wir wie dieser seinen Twitter-Kanal befeuert, stets bedacht darauf souverän und erfolgreich nach außen zu wirken. In Texteinblendung sehen wir die langsam steigenden Abo- und Followerzahlen, die schließlich nicht nur Jons eigene Sicht auf das Tatsächliche, Reale trübt, sondern auch die von Frank, der sich von seinem Keyboarder gut zureden und sogar beeinflussen lässt.



Nische vs. Mainstream

Ein weiteres Kernthema ist der Umgang mit Kreativität, und der uralte Konflikt zwischen Massentauglichkeit und „vermeintlicher“ Kunst. Wie viel Verschrobenheit und Nische kann man sich leisten, wenn man von anderen Menschen gehört und geliebt werden möchte? Und was ist einem selbst eigentlich wichtiger? Zusammen mit einer Gruppe von Leuten die man mag an etwas mitzuwirken, dass der eigenen Seele gut tut, oder der große Musikerfolg, der möglicherweise nur dann passiert, wenn man sich anpasst? Riesige Bühnen mit massenweise gefüllten Rängen oder doch lieber die stille Hinterhofkneipe?


In „Frank“ geht es darum, wie Leute versuchen ihren Platz zu finden, sei es in der Musik selbst, oder als Person der Öffentlichkeit in der Gesellschaft. Dass bei solch einer schicksalshaften Reise gegen Ende des Films auch die ein oder andere unerwartete Charakterentwicklung präsentiert wird, ist retrospektiv betrachtet schon beinahe absehbar gewesen. „Frank“ ist, ähnlich wie die „Soronprfbs's“ nicht unbedingt ein Film, der die große Masse anspricht, oder von dem man gar noch in ein paar Jahren sprechen wird. Aber dennoch zeigt er mit seinen absurden und gut geschauspielerten Charakteren, seinem originellen Soundtrack und seinem schönen Kamerastil und Schnitt ein wirklich unterhaltsames Musik-Drama mit Comedy-Einschlag und Indie-Flair, bei dem man sicher nicht bereut, die jeweiligen 90 Minuten darin investiert zu haben.



7/10

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