Sonntag, 22. März 2015

Kingsman - Kritik: Der moderne Bond

 
Dass Regisseur Matthew Vaughn einiges auf dem Kasten hat, zeigte er bereits mit Filmen wie Kick-Ass oder X-Men First Class, welche beide durch einen eigenen und neuartigen Stil frischen Wind in das Genre der Comicverfilmung brachten. Mit dem Trailer von Kingsman – The Secret Service wurde schon lange vor Kinostart die Erwartungshaltung generiert, dass hier wohl ein rundum passabler Actionstreifen auf uns zukommt, der zwar nur wenig aus seiner Hollywood-Formel hinausschlüpfen, aber wenigstens ein paar nette Kämpfe bieten wird. Selten habe ich mich von einer Filmvorschau so sehr täuschen lassen.





Sich seiner Selbst bewusst

Tatsächlich ist Kingsman viel besser als ich es mir je erträumt hätte. Und das sage ich nicht einfach so. Es ist der beste Film den ich in diesem Jahr bisher gesehen habe, und während ich das hier gerade schreibe kreisen meine Gedanken noch immer um einzelne Szenen und der Vorstellung, dass sich das auf einem Comic von Mark Miller basierende Prachtstück von Film sehr wahrscheinlich bereits in meiner Top 10 der Filme in diesem Jahr befindet. Kingsman überrascht mit fantastischen ungeahnten Facetten, einer noch viel ausgeprägteren Stilistik als gedacht und vor allem durch eins: Durch seine Andersartigkeit. Dieser Film weiß mit welchen Klischees er spielt, in welchem popkulterellem Rahmen er sich befindet und spielt damit, wie es sich der vor der Kinoleinwand sitzende Zuschauer nur wünschen würde.


Protagonist Garry „Eggsy“ Unwin der uns zu Beginn des Films noch als kleiner Junge präsentiert wird, bekommt eines Tages Besuch von einem im Anzug gekleideten Mann, der ihm und seiner Mutter mitteilt, dass sein Vater ums leben gekommen ist. Die Umstände müssen geheim bleiben, jedoch drückt der Gentleman dem kleinen verdutzten Jungen einen Anstecker in die Hand, und verrät ihm, dass er, falls er eines Tages Hilfe benötigt, die darauf geschriebene Nummer anrufen soll. Als dies eines Tages soweit ist, trifft Eggsy erneut auf den unbekannten Mann, dessen Name sich als Gallahad entpuppt und der sich als Mitglied einer streng geheimen, den Rittern der Tafelrunde ähnelnden Organisation herausstellt. Wegen dem kürzlichen Tod eines ihrer Mitglieder suchen die Anzugtragenden Geheimagenten neue Rekruten und so konfrontiert Gallahad den jungen Eggsy mit dem Angebot, das dieser auch sofort annimmt. So durchläuft dieser seine knallharte Ausbildung, während zeitgleich der lispelnde Antagonist und Milliardär Valentine, gespielt von Samuel L. Jackson auf den Plan tritt.




Eine stilistische Glanzleistung

Kingsman ist von vorne bis hinten gelungene, intelligente Unterhaltung, die unfassbar spannend und gekonnt inszeniert wird. Sicherlich am hervorstechendsten sind dabei die vielzähligen Kämpfe, die oft an Kampfsportarten wie Krav-Maga erinnern und eine Mischung aus Nah- und Fernkampf darstellen. Die Gefechte werden in einer dermaßen fantastischen und nachvollziehbaren Art und Weise choreographiert, wie man sie nicht alle Tage geboten bekommt. Man hat zu jedem Zeitpunkt einen perfekten Überblick über die Situation und die einzelnen Angriffe die ausgeführt werden. In einzelnen Szenen ist die Kameraführung, der Schnitt und die Sounduntermalung sogar so gut, dass man nur mit offenem Mund dasitzt und gar nicht fassen kann, was einem da gerade geboten wird. Dabei sind die Kämpfe, die mit allerlei Schusswaffen, aber auch mit Messern, Äxten, und all dem was sonst noch so im Raum rumliegt, ausgetragen werden stellenweise extrem brutal und blutig, wodurch jedoch die Wucht hinter jeder Aktion verdeutlicht wird.


Neben diesen fantastischen Konfrontationen, die man am liebsten direkt nochmal sehen möchte, profitieren auch die Charaktere und die Geschichte von Kingsman von der bereits genannten Andersartigkeit. Man muss sich nichts vormachen. Die Geschichte, die Dialoge und die Palette an ausgefallenen Gadgets mit denen die Kingsman hantieren: All das erinnert immer wieder stark an klassische Agentenfilme à la Bond. Und genau damit spielt der Film immer wieder sehr gekonnt, wiegt seine Zuschauer in Sicherheit und überrascht dann mit unvorhergesehenen Wendungen. Sei es in gut geschriebenen Gesprächen zwischen Held und Bösewicht oder auch in aller visueller Härte in den dementsprechenden klischeehaften Szenen. Kingsman ist eben nicht „wie diese Filme“, wie es Samuel L. Jackson an einer Stelle treffend bezeichnet.


Der Film ist Popcorn-Kino in Reinform, hat einen unglaublichen visuellen und erzählerischen Ideenreichtum und macht einfach unfassbar viel Spaß. Somit ist Kingsman für mich eine der Überraschungen im noch recht frühen Kino-Jahr und eine Empfehlung für jeden, der wie ich nach dem ersten Trailer einen „ganz netten“ Action/Agentenstreifen erwartet hat. Ich hoffe, ihr werdet genauso positiv überrascht werden, Angesichts dieser genialen Verbeugung Richtung Bond, Bourne und Co., die es jedoch schafft mit einem ganz eigenem, modernen Stil zu verzaubern.

8/10 

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