Montag, 19. Mai 2014

Serienreview: Firefly - Aufbruch der Serenity


Jaja, ich weiß. Die Serie, um die es jetzt gehen soll, kennt mittlerweile wahrscheinlich schon jeder, der etwas mit ihr anfangen kann. Aber nachdem ich kürzlich nach langer Zeit endlich die beliebte Science-Fiction Kultserie von Joss Whedon gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich ein paar Worte über dieses, von vielen verehrte Stück, verlieren möchte.

Erstmal vorweg muss ich sagen, dass ich nun definitiv verstehen kann, warum so viele Leute diese Serie so gut finden. Und vor allem, warum es ein derart verbreitetes Nachtrauern um das, leider viel zu früh abgesetzte Firefly gibt. „Zu früh“ wäre allerdings in diesem Fall fast schon untertrieben, da Firefly bereits nach einer Staffel das Aus bevorstand, und selbst diese erste Staffel wurde nach 11 von insgesamt 14 Folgen vorzeitig aus dem Programm genommen. Wenn man von derart drastischen Maßnahmen hört, denkt man wahrscheinlich kaum noch daran, dass diese Serie qualitativ etwas zu bieten hat, und trotzdem gehören die Abenteuer von Malcolm Reynhold und seiner Crew zu den besten Geschichten, die Science-Fiction hervorgebracht hat.

Dreh und Angelpunkt des Ganzen ist das Frachtschiff Serenity, mit dem Malcolm und Co. Durch das Sonnensystem streifen in dem Firefly spielt und sich durchschlagen, in dem sie mal mehr und mal weniger kriminelle Söldnerjobs von zwielichtigen Gesellen annehmen. Mit an Bord sind unter anderem Zoe, eine ehemalige Soldatin, die mit Mal im sogenannten „Vereinigungskrieg“ auf der Seite unabhängiger Welten gegen die Allianz gekämpft hat, die Kurtisane Inara, oder auch der Mediziner Simon und seine, durch unbekannte Experimente der Allianz geistig geschädigte, Schwester River. 


All diese Charakter haben Tiefe und oft auch interessante Hintergründe, die nach und nach weiter aufgedröselt werden. Am spannendsten sind jedoch die Beziehungen und Zwiespälte die sich in der Serie unter den Crewmitgliedern immer wieder ergeben. Die Mannschaft untereinander agieren zu sehen macht einfach Spaß, da die Dialoge sehr humorvoll und intelligent geschrieben sind und die Serie in einem flotten, angenehmen Tempo voranbringen.

Ein weiterer Pluspunkt ist zudem das Universum, in dem Firefly spielt, da die Richtung für Science-Fiction recht außergewöhnlich und auf jeden Fall einzigartig ist. Auch wenn wir uns in weit fortgeschrittener Zukunft befinden, wirkt vieles oft altertümlich, und auf vielen der Planeten, die das Firefly-Sonnensystem beherbergt, herrscht geradezu ein Klima wie im wilden Westen. Zudem gibt es viele Einflüsse der chinesischen Kultur, unter anderem wird auch gerne mal in selbiger Sprache geflucht, was vielleicht gerade dadurch, dass es so seltsam fehl am Platz wirkt, verdammt gut zum Rest passt. Auch gibt es keine Genretypischen außerirdischen Lebewesen, dafür aber die kannibalischen Reaver, die am Rande des Universums lauern und ab und zu die Einwohner einsamer Planeten überfallen, plündern und töten. Anders als im Film „Serenity“, der 2005 kam und die Serie abschloss, kommen die Reaver in der Serie nur sehr selten vor, bleiben einem als ernstzunehmende Bedrohung im Hinterkopf.


Nachdem ich die ersten paar Folgen gesehen hatte, musste ich unweigerlich an eine Art Han Solo-Spinoff Serie denken die es nie gab, da Nathan Fillion, der Schauspieler von Malcolm Reynhold, eine gewitzte, coole und arschtreterische Art mit sich bringt, die an den guten, alten Piloten des Millenium Falken erinnert. Doch was mir bei Firefly mit Abstand am besten gefallen hat, war die perfekte Balance zwischen tollem Humor und knallharten Konflikten, in einer Welt die keine Gefangenen macht. Ähnlich wie heutzutage ein Game of Thrones, fühlt sich Firefly wie ein realistisches Universum an, in dem die Charaktere nachvollziehbare Entscheidungen treffen, und der Zuschauer die Geschichten, die ihm präsentiert werden, ernst nimmt und dadurch immer wieder überrascht wird.

Bei all den blankpolierten, hochtechnisierten Sci-Fi und Fantasygeschichten die es momentan so gibt, ist die raue, harte Welt von Firefly eine willkommene Abwechslung und würdige Ergänzung des Genres, die von jedem geschaut werden sollte, der die traurige Leere aushalten kann, die man empfindet, wenn der Abspann der vierzehnten Folge läuft, wohl wissend, dass dies schon das Ende dieser außergewöhnlichen Serie war.

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