Freitag, 17. Januar 2014

Der steinige Weg zur Anerkennung von Videospielen - Wie der SPIEGEL seinen Anteil leistete



„Diese Entwicklungen und Erkenntnisse holen das digitale Spielen aus dem kulturellen Ghetto, in dem es lange Zeit steckte. Sie machen es populärer, bringen es Erwachsenen näher. Computerspiele sind Teil unserer Kultur, nicht besser oder schlechter als Filme oder Spiele“.


Diesen letzten Satz habe ich schon oft gelesen. Meist war der Kontext die wieder mal ungerechte Behandlung von Videospielen in öffentlichen Medien, zum Beispiel in diversen Fernsehsformaten. Zu oft wurde die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben. Ein besonders beliebter Grund um Videospiele zu verunglimpfen: Die Killerspiel Diskussion. Geschrieben wurde dieser Satz von jedem, der sein Hobby zu verteidigen versuchte gegen all jene, die die Wahrheit dieser Aussage nicht akzeptieren wollten.

Doch diesmal war es anders. Die zitierte Passage stammt nicht etwa von Shenmue23 oder CoDFreakXx die sich gerade vokal über die neuste Inakzeptanz von Computerspielen echauffierten, sondern von der aktuellen Ausgabe des Spiegels, der sein Topthema in großen Lettern in der charakteristischen GTA-Schriftart verrät. SPIELE MACHEN KLUG-warum Spiele besser sind als ihr Ruf.

Und was soll ich sagen: Ich hab den Artikel mittlerweile gelesen. Ob Spiele nun klug machen habe ich nicht erfahren, aber dafür wurde ich um allerlei Infos zum Thema Videospiele bereichert, die ich selbst als alt eingesessener Gamer noch nicht kannte. Häufig wird im Artikel auf die unterschiedlichen Anwendungszwecke von digitalen Spielen eingegangen, beispielsweise in der Heilkunde bei Kindern mit Leukämie-Erkrankungen, die in einem Third-Person-Shooter die Chance bekommen, digitale Krebszellen zu vernichten, was eine nachweisbare Verbesserung der Widerstandskräfte bei den  Kinder hervorruft.

Dass Videospiele nun mittlerweile auch bei uns in der Gesellschaft angekommen sind, wird am wachsenden Erfolg von den sogenannten Mobile-Games festgemacht, womit Spiele wie Candy Crush oder Angry Birds gemeint sind, die ein simples Spielziel verfolgen und wahrscheinlich gerade deswegen bei vielen Leuten beliebt sind. Und auch die Anschuldigung, Computerspiele verleiten flächendeckend zu Abhängigkeiten, oder hätten einen Einfluss auf das Aggressionspotenzial, werden mit passenden Statistiken aus der Welt geschafft.
Auch von einer Schule, in der Schülern durch eine Videospielartige Software Wissen angeeignet wird, ist die Rede. „Quest to learn“ heißt das Ganze und basiert auf dem Gedanken, dass Schüler mittlerweile mehr als sieben Stunden im Durchschnitt mit Medien wie dem Internet oder Videospielen verbringen, während gleichermaßen die Zahl der Schulabbrecher steigt. In der „Videospielschule“ müssen die Kinder daher keine Fakten auswendig lernen, sondern haben die Aufgabe Sachverhalte zu verstehen und Problemstellungen zu lösen. Na, kommt das uns Gamern nicht bekannt vor?

Ich muss ehrlich zugeben, ich habe mich über den Artikel sehr gefreut. Wenn  ein deutschlandweit gelesenes und akzeptiertes Format wie der Spiegel es schafft, einen 6 Seiten Artikel zum Thema Videospiele zu veröffentlichen, dieses Thema dann noch auf dem Cover abbildet, und dann auch noch einen durchgehend positiven Grundton besitzt, zeigt dies mir, dass mein Lieblingshobby gerade auf einem guten Weg ist ein Medium zu werden, dass von der Gesellschaft als völlig normal angesehen wird.

Ich hoffe wirklich, dass dieser Artikel nicht nur von Videospielbegeisterten, sondern auch von jenen gelesen wird, die mit diesem Bericht eigentlich erreicht werden sollen. Schauet her liebe Feinde digitaler Unterhaltung! Videospiele können sogar Nutzen bringen! Videospiele können sogar sozial akzeptierten Spaß bringen! Und sie können sogar 6 Seiten lang von einem Magazin wie dem Spiegel gelobt werden!
        

Kommentare:

  1. Die Debatte über Killerspiele ist hochgradig populistisch und wird meistens von alten Herren mit grauen Haaren in ARD und ZDF geführt. Als in den 80ern die Videospiele erstmals richtig beliebt wurden, waren die schon längst aus dem Alter raus, in dem man sich dafür interessieren könnte.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Videospiele viele Vorteile haben können, und zwar quer durch das ganze Gehirn. Von Wissen (wie viele Knochen hat der menschliche Körper) bis zu Reflexen (Action/Rennspiele) über Geschicklichkeit (was auch immer) gibt es viele Neuronenverbindungen, die gerade wegen solcher Spiele gebaut werden können. Einige besser als im echten Leben, andere alternativ (das heißt, man könnte auch auf einem echten Baumstamm balancieren etc.).

    Videospiele haben natürlich auch eine Kehrseite. Es gibt auch Leute (auch Jugendliche), die nur vor einem flackernden Bildschirm sitzen wie Zombies, oder die sich ihr Gewissen und ihr Mitgefühl für andere Lebewesen regelrecht abtrainieren. Aber selbst innerhalb des gleichen Genres (Ego-Shooter / "Killerspiele") gibt es dann wieder auch Bürokaufleute und Bäcker, die dann nicht gleich jedem Kunden in die Brust schießen, wenn das wirkliche Leben weitergeht.

    Ich weiß noch, dass es beim Fernsehen genau so war: Wenn eine Lokomotive auf die Kamera zuraste, sind die Menschen vom Fernseher davon gelaufen. In 20 Jahren ist die Debatte um Killerspiele hoffentlich vorüber und wir sehen ein differenziertes Bild.

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    1. Danke für den Kommentar!

      Deinem letzten Absatz muss ich absolut zustimmen, ich bin mir sicher, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von neuen Medien ein natürlicher Prozess ist, der immer dieselben Stationen durchfährt, von der primären Verunglimpfung bis hin zur finalen Anerkennung. Die Zeit löst dabei wie so oft alle Probleme.

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