Freitag, 9. Dezember 2016

Strange Arrivals and where to find them - Triple Review


Wenn es einen Vorsatz gibt, den ich mir selbst ständig mache, ist es Folgender; ich würde ja gerne viel öfter ins Kino gehen. Vor allem Indiestreifen mit Untergrund-Flair, die in meiner Wohngegend durchaus angeboten werden, vernachlässige ich oft sträflich und stecke am Ende des Tages doch lieber den großen Hollywood-Konzernen mein Geld in den Rachen, damit das zukünftige Sortiment an Superhelden-Filmen ein weiteres Mal vervielfacht werden kann. Schön blöd! Da darf man sich dann eigentlich auch nicht beschweren, wenn weichgespülte, standardisierte Hollywood-Produktionen mit Millionenbeträgen die weltweiten Kinokassen dominieren und damit entscheidend für die Prägung unsere moderne Filmkultur verantwortlich sind.


Ich war in den letzten Wochen tatsächlich mal wieder öfter im Kino. Dabei ist genau dieser, von mir gerade beschriebene Prozess eingetreten. „Dr. Strange“, „Phantastische Tierwesen“ und „Arrival“ waren dabei jeweils die Objekte meiner kinematographischen Begierde. Ein Film in dieser Auflistung war tatsächlich sehr gut, die beiden anderen empfand ich als eher mittelmäßig. Wer gängige Filmblogs und die allgemeine Kritiker-Rezeption im Netz verfolgt, wird sich vielleicht schon denken können, welcher dieser drei Titel es mir besonders angetan hat. Machen wir es allerdings noch ein wenig spannend.




Dr. Strange

Mit schweifendem Umhang und der Kraft der Magie bewaffnet agiert der Held des Films, dessen Sichtung mittlerweile tatsächlich am längsten zurückliegt. Ehrlich gesagt mach ich mir gerade in diesem Moment sorgen, ob meine Erinnerung an den Streifen ausreichend sind, um ein umfassendes Bild über den „Sorcerer Supreme“ und seine ganz persönlichen Origin-Story abzugeben. Die Rede ist natürlich von „Dr. Strange“, auch wenn die einleitenden Worte für bewusste Verwirrung gesorgt haben könnten. Auch in „Fantastische Tierwesen“ wird bekanntermaßen gezaubert, fungiert der Film doch als Spin-Off Story innerhalb der Kosmos unseres Lieblings-Stirnnarben-Gesichts Harry Potter. Jahrzehnte bevor Voldemort seine Schreckensherrschaft anstrebt, wird uns hier die Geschichte von Newt Scamander erzählt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch die Welt zu reisen und die verschiedensten exotischen magischen Geschöpfe des Globus zu kategorisieren. Auch wenn der CGI-Zeiger sowohl in „Dr. Strange“ als auch in „Phantastische Tierwesen“ gelegentlich die Anzeigetafel des gerade-so-erträglichen sprengt, teilen sich die beiden Streifen thematisch außerhalb der gemeinsamen Zauberei-Vorlieben allerdings nicht sonderlich viel.


Dr. Strange, gespielt von Benedict Cumberbatch, spielt seine Rolle des arroganten, egozentrischen Chirurg mit folgenreichem Schicksalsschlag wenig überraschend sehr gut und trägt den Film zu großen Strecken durch seine beeindruckende Präsenz. Besonders die ersten 20 Minuten, welche für Marvel-Verhältnisse angemessen dramatisch rüber kommen und eine interessante Charakterisierung boten, gefielen mir sehr und zeigten, wie erfolgreich abseits vom allseits bekannten Krachbumm-Gewitter in Comicverfilmungen spannende Charaktere aufgebaut werden können. In seinem letzten Drittel gleitet „Dr. Strange“ jedoch in die gleichen Problemfelder, die ich auch bei manch anderen Marvel-Produktionen erkenne. Eine überzeichnete und über alle Ausmaße gewaltige Gefahr für unseren Protagonisten bedroht ihn und gleichzeitig auch den ganzen Planeten, sodass durch diese bewusste Ausreizung der „Gefahr“ das eigentliche Gefühl für eben diese beim Zuschauer, in dem Fall mir, verloren geht. Ein dutzend Superheldenfilme mit ähnlichen Plots sorgen leider dafür, dass der Überraschungseffekt hierbei oft flöten geht.


Wenn Strange also in diesen letzten 20 Minuten versucht den Planeten Erde zu retten, wie es vor ihm schon zahlreiche seiner ihm noch unbekannten Kollegen vorgemacht haben, dann sitze ich nicht angespannt im Kinosessel und kralle mich an den Lehnen fest, sondern gebe höchstenfalls ein anerkennendes Nicken ab, wenn im finalen Bombast die ein oder andere pfiffig umgesetzte Idee versteckt ist. Auch wenn ich das Ende stellenweise durchaus nett fand, so gefiel mir die erste Hälfte des Films doch größtenteils besser als die Zweite. Hervorheben sollte man jedoch trotzdem noch die Kampfsequenzen, die trotz Inception-Vergleiche, was die sich umkippenden Welten betrifft, oftmals sehr kreativ umgesetzt sind und vor allem durch die teils noch unentwickelten Kräfte Stranges und seiner folgerichtigen Unterlegenheit, an Spannung gewinnen.





Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Das Problem mit dem Übermaß, hatte ich ebenfalls in „Phantastische Tierwesen“. Ähnliche Kritikpunkte, kann man tatsächlich auch hier anwenden. Der Anfang ist in der Tat „fantastisch“, es gibt eine flott verlaufende Anfangssequenz, Newt wird uns humor- und liebevoll als unser Protagonist eingeführt und man wird erfolgreich wieder in eine Welt gezogen, mit der man nun seit mehr als 5 Jahren abgeschlossen hatte. Das World-Building funktioniert hier mal wieder grandios, detailreiche Szenerien, die vor hintergründigen Narrationen nur so strotzen gibt es in „Phantastische Tierwesen“ en masse, wodurch die Glaubhaftigkeit der magischen Welt extrem zur „suspension of disbelief“ beiträgt. Man fühlt sich in kürzester Zeit wieder richtig heimisch, wozu auch der träumerische und Erinnerungen wachrufende Soundtrack von James Newton Howard einen erheblichen Anteil leistet.


Über weite Strecken hinweg bietet „Phantastische Tierwesen und wo wie zu finden sind“ ein sehr unterhaltsames pacing mit einer gelungenen Mischung aus comic relief, Spannung und gewitzten Dialogen. Vor allem die Chemie zwischen Newt und Jacob Kowalski, seinem nichtmagischen unfreiwilligem Begleiter, bereitet viel Freude. Verloren hat mich der Streifen dann allerdings etwas in seinem letzten Drittel, als die im Film gestrickten losen Enden zum einen nicht ganz überzeugend und zum anderen wenig emotional zusammengefügt wurden. Die parallel zu Newt verlaufende Geschichte welche hierbei gipfelt, bot zwar manch nette Momente, jedoch wurde ihre Dramatik der zur Verfügung stehenden screentime nicht ganz gerecht. Als ebenfalls etwas ermüdend erschienen mir ab einem gewissen Punkt die eigentlichen Stars des Films, die phantastischen Tierwesen. Dafür, dass der Film noch einige Nachfolger bekommen soll, ist mir fraglich, wieso man bereits in diesem ersten Teil einen solchen Overflow an Geschöpfen präsentiert. Sicher wird es Fans geben, die gerade das loben werden, aber meiner Ansicht nach, hätte es nicht geschadet, die eine oder andere hektische Monsterjagd rauszuschneiden.


Alles in allem ist „Phantastische Tierwesen“ dennoch ein sehr unterhaltsamer Film, der an den Kinokassen wahrscheinlich schon wegen seines großen Namen granatenartig einschlagen wird. Harry Potter Fans werden sicher größtenteils auf ihre Kosten kommen, auch wenn mit dem ersten Teil von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ klar wird, dass die hier erzählte Story leider nicht ganz an die Qualitäten eines Harry Potters anschließen kann und der Fokus hier ein mehr Hollywood-esquer und unterhaltsamerer zu sein scheint.




Arrival

Kommen wir endlich zum wahren Highlight. Der Rohdiamant, auf den ich schon seit geraumer Zeit gespannt war. „Arrival“. Die Story ist schnell erzählt – 12 Alienraumschiffe in Form von halben, ellipsenähnlichen Kugeln landen eines Tages an verschiedenen Orten der Welt. Die Linguistin Louise Banks, gespielt von Amy Adams soll Kontakt zur fremden Rasse aufnehmen, ihre Sprache lernen und herausfinden, warum sie hier sind. „Arrival“ ist für einen Film mit einer solchen Ausgangslage angenehm ruhig und sachlich in seiner Erzählung. Es wird sich viel Zeit genommen, um den Prozess der Kommunikation in seiner ganzen Langwierigkeit zu schildern und überrascht dabei mit interessanten Ideen und Lösungsansätzen, während das Thema der Aliens fantastisch mysteriös und metaphorisch präsentiert wird.


Die unspektakulär inszenierte Darstellung der Aliens und ihrer Raumschiffe löste in mir eine mir nicht ganz erklärbare Melancholie aus, die andere Menschen vielleicht beim Betrachten von besonders inspirierender bildnerischer Kunst empfinden. Die visuelle Sogkraft der gigantischen, glatten und einheitlichen Oberflächen der schwebenden Raumschiffe, der sinnesverwirrende Prozess des Betretens eben jener, das rätselhafte Innenleben, die Darstellung der eigentlichen Außerirdischen; all diese Bildgewaltheit faszinierte mich auf eine Art und Weise, wie es nicht viele Science-Fiction Filme geschafft haben. Das „weniger ist mehr“-Prinzip, das bewusste Offenhalten von spannenden Interpretationsräumen gelingt „Arrival“ grandios. Neben der für sich schon fantastischen Alienthematik, wird hier jedoch gleichzeitig eine sich stetig zuspitzende Story erzählt, die (anders als bei den zuvor erwähnten Filmen) tatsächlich bis zum letzten Moment spannend ist und zudem einen unvorhersehbaren Twist bietet, der mich eiskalt erwischte. Das höchst emotionale Ende gab mir dann den Rest, sodass ich nur hoffen kann, dass der neue Streifen von Denis Villeneuve in der nächstjährigen Oscarnacht großflächig mit Preisen überhäuft wird. „Arrival“ ist mehr als nur ein Science-Fiction Film, es ist eine Ode an die Menschheit und den Humanismus, ein Appell an den globalen Zusammenhalt, eine Liebeserklärung an das Geschenk des Lebens.

Montag, 10. Oktober 2016

HBO-Doublefeature: The Night Of und der Westworld Pilot


Dass der US-Amerikanische Sender HBO ein Garant für wegweisende TV-Unterhaltung ist, sollte bei der Masse mittlerweile angekommen sein. Game of Thrones, The Wire, The Sopranos, True Detective; die Liste der qualitativ hochwertigen und in allen möglichen Toplisten auftauchenden Fernsehshows ließe sich noch weiter führen und macht klar, dass man von Produktionen aus dem Hause HBO mittlerweile beinahe blind feinste Unterhaltung erwarten kann. Und das hab auch ich zuletzt abermals gemerkt, nachdem ich die aktuelle Mini-Series des Senders namens „The Night Of“ fasziniert verfolgt hatte und anschließend auch die Pilotfolge des neuen Dramas „Westworld“ einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Mal wieder war klar; Was HBO anfasst, wird scheinbar im Handumdrehen zu TV-Gold.


Fangen wir mit „The Night Of“ an. Eine Drama/Krimi-Geschichte rund um den College-Studenten Nasir Kan, oder auch einfach „Naz“. Eines Nachts schnappt sich dieser unbemerkt das Taxi seines Vaters, um es rechtzeitig auf eine angesagte Party zu schaffen. Bei dieser Ausfahrt gabelt er unverhofft eine junge Frau namens Andrea auf, die den eigentlich braven Naz zum Alkohol- und Drogenkonsum verleitet. In Andreas Wohnung angekommen und nach dem Aufwachen vom narkotisiertem Beischlaf findet Naz Andrea, totgestochen in ihrem Bett wieder, doch der junge Pakistani hat keinerlei Erinnerung was nach seinem Wegdösen geschehen ist. In den gerade einmal acht einstündigen Folgen wird nun versucht die Frage nach der Schuld von Naz zu beantworten. Es entspinnt sich eine hochspannende Verknüpfung aus Anwaltsermittlung und Polizeiarbeit sowie den Erfahrungen und Wandlung, die Naz während der gleichen Zeit in Haft er- und durchlebt. Was eigentlich nach klassischer Krimi-Kost klingt wird vor allem durch die fantastische Kamera- und Schnittarbeit auf neue Ebenen gehoben. Trotz der recht simplen Settings, die das Drama bietet, wird ein hoher Wert auf eine kreative Bildsprache und künstlerische Cinematographie gelegt, was jede Szene zum großen Genuss macht.




Ebenfalls fantastisch ist das Schauspiel, vor allem das von John Tuturro in seiner Rolle als legerer Anwalt mit Fußbeschwerden (klingt merkwürdig, ist es auch, wirkt aber trotzdem eine seltsame Faszination aus) sowie das von Protagonist Naz, gespielt von Riz Ahmed, der in seiner Rolle als inhaftierter Ahnungsloser einen interessanten Einblick in die brutale und wesensverändernde Gefängniswelt bietet. Auch wenn sich der Plot gegen Ende ein klein weniger zu verwässern scheint und es schließlich zu einem unspektakuläreren Ende kommt, als man zu Beginn vielleicht vermutet hatte, kann ich für die Mini-Series „The Night Of“ definitiv eine Schauempfehlung aussprechen, da diese im Großen und Ganzen doch sehr überzeugen kann. Acht Stunden, die man gerne und vor allem schnell gesehen hat.


Kaum hatte ich „The Night Of“ zu Ende geschaut, kam HBO auch schon mit dem nächsten Leckerbissen um die Ecke, in Form von „Westworld“, einer TV-Neuverfilmung des Science-Fiction-Western Thrillers aus dem Jahre 1973. Bereits der Pilot verspricht Großes und lässt vermuten, dass uns hier eine weitere Dramaperle mit Hit-Potenzial erwarten könnte. Die „Westworld“ ist genau das, was der Name verspricht. Eine simulierte Welt, welche der Zeit der Cowboys und Indianer nachempfunden ist und in die alle Menschen mit dem nötigen Batzen Kleingeld eintauchen können. In einem riesigen Areal können die Besucher quasi ein Live-Rollenspiel mit mehreren vorgeschriebenen Storys betreiben und dabei innerhalb dieser für sie gefahrlosen Umgebung tollkühne Abenteuer erleben. Der Kniff dabei; Alle anderen Charaktere dieser Welt sind eigentlich Roboter, die allerdings in ihrer Technik soweit Fortgeschritten sind, dass sie im Grunde beinahe nicht mehr unterscheidbar von echten Menschen sind. Und hier haben wir auch schon eine der wichtigsten Thematiken in „Westworld“; die alte Frage, an welchem Punkt „Leben“ beginnt, die Frage, nach der Menschlichkeit von androiden Wesen.




Das fantastische am Piloten von „Westworld“ ist, dass er so perfekt autonom und vom Rest der Serie gekoppelt funktioniert. Natürlich habe ich bisher sonst auch keine weitere Folge gesehen, aber dieser Pilot könnte auch ohne weiteres auf diversen Filmfestspielen gezeigt werden, bietet er doch eine schöne Klammer mit der dem Zuschauer perfekt der Ton der Serie nahegebracht wird, ohne mit einem übertriebenen Cliffhanger zu arbeiten. Bereits diese erste Folge geht einem in manchen Momenten so extrem nahe, wie es manch andere Serien über Staffeln hinweg nicht schaffen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie der weitere Verlauf von „Westworld“ aussehen wird und vor allem, ob es die Serie auch schafft, ein Charakter-Ensemble aufzubauen, dass zum Mitfiebern anregt. So grandios der Pilot auch war, ist dies momentan noch meine größte Befürchtung. Mit einem überzeugendem Trupp an Protagonisten hat „Westworld“ die Chance, auch abseits von der philosophisch hochinteressanten aber zugegebenermaßen nicht mehr ganz so frischen Thematik glänzen zu können. Ich bin extrem gespannt auf die kommenden Folgen und auf die Beantwortung der Frage, ob die Serie es schaffen wird, in den Olymp der ganz großen HBO-Produktionen a lá „Game of Thrones“ zu gelangen. Das hier scheinbar unfassbar viel Kohle hineingesteckt wurde, um genau eben dieses Ziel zu erreichen, merkt man „Westworld“ auf jeden Fall bereits am Piloten an. Hoffen wir, dass die Serie es schafft, dieses Gefühl beizubehalten.  

Und hier zum Abschluss noch ein kleiner Trailermix, geschnitten aus Promomaterial der beiden Shows. Viel Spaß beim Schauen!

#watchlistofshame - Projekt Filmdezimierung


Manchmal möchte man Dinge einfach endlich zu Ende bringen. Einen Berg von zu erledigenden Aufgaben immer weiter wachsen zu sehen, ist selbst für den größten Prokrastinierer der Welt ein Anblick, der den eigenen Stresspegel in unangenehme Höhen sprießen lässt. Schlimmer wird es nur, wenn es hierbei sogar um Aktivitäten oder „Aufgaben“ geht, die einem eigentlich Spaß machen (zum Beispiel dem Lesen von interessant klingenden Büchern und dem Spielen von lange vorgemerkten Spielen). Aus einem kleinen Hügel wird hierbei schnell ein Mont Blanc, der, wenn man sich nicht versieht, leicht zu einem nur noch schwer zu ignorierenden Mount Everest an Medienprodukten heranwachsen kann. Aber was rede ich hier um den heißen Brei, der Begriff „Pile of Shame“ sollte den meisten geläufig sein.


Spätestens in diesem Moment, empfinde ich ein starkes Déjà-vu-Gefühl. Ich erinnere mich noch vage daran, bereits vor einer Ewigkeit hier einen Beitrag hochgeladen zu haben, in dem ich ein paar meiner ungesehenen DVD's abgelichtet hatte, welche ich in der Rubrik „Abgestapelt“ abarbeiten und kurz bewerten wollte. Bis auf eine Kritik von „Bang Boom Bang“ hier in Textform und einer Kurzreview von Akira auf Youtube ist aber irgendwie nichts draus geworden. Ja, manchmal möchte man Dinge einfach endlich zu Ende bringen. Aber manchmal ist man eben einfach sackfaul und hat einen Tag später schon andere Pläne.


Als ich vor ein paar Tagen dabei war meine überquellende IMDB-Watchlist auszumisten, bekam ich jedoch erneut die Lust, die Mission des „Pile of Shame“-Abarbeitens in Angriff zu nehmen. Zwischen 100 und 200 Filme hatten es sich zu dem Zeitpunkt in meiner Liste gemütlich gemacht. Für das kommende Projekt habe ich mir nun meine insgesamt 100 Favoriten daraus zusammen gesucht. Ich werde es zwar sicher nicht schaffen, jeden Tag einen dieser Filme zu sehen, aber zwischen 2 und 4 in der Woche sollten schon drin sein. Auf meinem Twitterkanal (@Jominathor) werde ich unter den Hashtags #fminus100 (Zahl schrumpft klarerweise mit jedem Film) und #watchlistofshame jeweils zu jedem Film eine 140 Zeichen Review geben. Ich bin gespannt, wie das Ganze verlaufen wird. Das unten angehängte Bild werde ich mit jedem weiteren Film aktualisieren, und auf der rechten Seite des Blogs, wird es eine dauerhafte Verlinkung zu diesem Post geben, solange die Aktion läuft. Artikel zu anderen Themen wird es in der Zeit klarerweise trotzdem geben. Natürlich in gewohnter Unregelmäßigkeit. Das war's dann eigentlich auch schon. Weitermachen!

Samstag, 17. September 2016

No Man's Sky - Ein Fiasko in drei Akten


Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wie viele Artikel zum Thema „No Man’s Sky“ in den letzten Jahren wohl mit dieser Floskel eingeleitet wurden? Weltraum, das steht für tief philosophische Themen, unüberschaubare Entfernungen, die Frage nach der Existenz selbst. Das Alpha und das Omega. Das Nichts. Die Stille. Von besagter Stille wurde der Release des heiß erwarteten Titels vom Team rund um Entwickler-Vorzeigemann Sean Murray in den letzten Wochen allerdings nicht empfangen. Im Gegenteil. Endlich gab es mal wieder ein Politikum in der Videospielszene, ein Spiel, über das sich der Mund fusselig geredet wurde, ein Aufschrei, Entrüstung und eine Menge Aktivismus. Was war geschehen? Nun, eine ganze Menge, wie sich feststellen lässt, und eben auch eine ganze Menge, die sich bereits lange Zeit vor der kontroversen Erscheinung von „No Man’s Sky“ ereignete. Ich werde hier einmal versuchen, die Historie des Weltraum-Erkunders in drei Akte zu gliedern, die drei Akte des Scheiterns wenn man es so nennen will, angefangen mit einer kurzen Vorgeschichte, dem anschließendem Aufbau eines unhaltbaren Hypes und dem absehbaren, finalen Zerbersten eben dieses an der bitteren Realität.


AKT 1 – Indie wider Willen

Die Geschichte von „No Man’s Sky“ liegt mittlerweile eine ganze Weile zurück. Auch wenn das Entwicklerteam Hello Games aus insgesamt 15 Leuten besteht (eine für Indie-Titel überschaubare Größe, für alles Weitere jedoch potenziell problematisch, aber damit soll sich später noch befasst werden), so war der Kopf der Truppe im Fall des aktuellen Spiels stets Programmierer Sean Murray. Seine Träume, seine Ambitionen, seine Wünsche oder auch Wunschvorstellungen; Die kreativen Gedanken hinter „No Man’s Sky“ entstammten zu jedem Zeitpunkt dem Geist eben dieses Mannes, der schon als Kind gerne Astronaut werden wollte und der sein hochgestecktes Projekt eines gigantischen Weltraum-Entdeckungsspiels aus der Angst entstehen ließ, mit seinem Vorgängertitel „Joe Danger“ in eine Spirale aus uninspirierten Sequels zu fallen. Ein Indie-Entwickler durch und durch quasi, ein Mensch, der durch seine Mitarbeit bei großen Entwicklern wie Critereon beide Seiten der Medaille kennen gelernt hat und der sich trotzdem für „No Man’s Sky“ entschieden hat. Dieser Punkt ist besonders wichtig, um zu verstehen, warum der Causa "No Man's Sky" geschehen konnte, wie er geschehen ist.


Sean Murray hatte bereits in den frühsten Phasen seiner Entwicklung und bei der ersten Projektvorstellung auf den VGX 2013 den heldenhaften Ruf eines Pioniers, eines Mannes, der versucht sich gegen Konventionen und den Mainstream in der Spieleszene zu stellen und der von seiner eigenen Arbeit teilweise selbst so fasziniert zu sein scheint, dass ihm des Öfteren gar die Worte fehlten, um seine Kreationen treffend und eindeutig der Öffentlichkeit zu beschreiben. Würde man Sean Murray Böses unterstellen wollen, so könnte man mit dem Wissen, das wir jetzt alle haben, die Vermutung aufstellen, dass Mr. Murray vielleicht einfach ein beschissener Erklärer ist. Oder eben ein Lügner. Aber zurück zum eigentlichen Punkt. Hello Games war beliebt. Sean Murray war beliebt. „No Man’s Sky“ versprühte alles, für das der Begriff Indie auch nur stehen könnte und da die Spieleszene nun mal ein Herz für Underdog-Entwickler mit großen Träumen und kleinem Geldbeutel hat, war die Skepsis klein und die auf den Zuschauer projizierte Vorfreude so gigantisch, wie die von Sean Murray gepredigten, erkundbaren Weltraum-Weiten. Ob die präsentierten Visionen überhaupt einhaltbar waren, interessierte zu diesem Zeitpunkt niemanden. Dass hier ein gerade einmal 15 Mann starkes Team versuchte, das größte, prozedural generierte Videospiel aller Zeiten zu kreieren, interessierte zu diesem Zeitpunkt niemanden. Und selbst, wenn das alles nicht funktionieren sollte, warum sollte man sich groß darüber aufregen? Ist ja bloß Indie.




AKT 2 – Don’t believe the hype

Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf. Die Monate und Jahre zogen ins Land, das Spiel nahm Gestalt an und Sean Murray predigte in unregelmäßigen Abständen zu der in Vorfreude getränkten Fangemeinde. Währenddessen kam allerdings auch immer wieder die Frage auf, wie genau sich „No Man‘s Sky“ denn nun eigentlich spielen wird und ob dies alles so wie versprochen überhaupt funktionieren kann. Doch jede potenziell nachdenklich stimmende Nachfrage wurde auch schon lawinenartig überrollt von der nächsten beeindruckend aussehenden Videopräsentation des Spiels, in der Mr. Murray mit beinahe Tränen in den Augen und epochaler Musik im Hintergrund bedeutungsschwangere Reden vom Kaliber eines Neil Armstrong schwang. Und dann kam auch noch Sony dazu. Nach der ersten Vorstellung des Spiels suchte Hello Games nach einem Publisher, der die Vermarktung sowie Veröffentlichung des Spiels übernehmen sollte. In Sony fanden Sean Murray und sein Team schließlich einen Partner und der Videospielkonzern „adoptierte“ im Handumdrehen das kleine Entwicklerstudio. Im Juni 2014 präsentierte Sony auf der E3 „No Man‘s Sky“ als erstes Indiespiel innerhalb der hauseigenen Konferenz und behandelte es fortan als einen dem restlichen (aus AAA-Titeln bestehendem) Playstation Line-Up gleichwertigen Titel.


Und hier haben wir ein weiteres Problem. Hätte „No Man‘s Sky“ nicht von Sony den Sonderstatus eines Indietitels bekommen, der gleichwertig mit eigenen Produktionen ist, hätte die Marketingmaschinerie das Spiel nicht bereits lange im Vorfeld in unfassbare Hype-Höhen katapultiert, was möglicherweise dafür gesorgt hätte, dass die Spieler Sean Murray‘s Werk mehr verziehen und ihn nicht ganz so harsch attackiert hätten. Die Vermarktungsschiene pries „No Man‘s Sky“ mit den höchsten aller Superlativen an und der große Name Sony im Rücken sorgte dafür, dass auch wirklich jeder Gamer, der weiß, wie man Playstation buchstabiert, Wind von diesem Titel bekam. Ich kann nur ahnen, wie Sean Murray selbst sich dabei gefühlt haben muss, als er bemerkt hat, welche Erwartungen er mit seinen Worten in der immer weiter wachsenden Fangemeinde erweckte und in welcher perfekten Vision eines Heillands in Videospielform es sich die Spielermeute gemütlich machte. Das wäre der Zeitpunkt gewesen, in dem ihm der Angstschweiß von der Stirn in den immer kräftiger gedeihenden Bart hätte fließen müssen und es wäre ebenfalls der Zeitpunkt gewesen, einen Schritt zurück zu gehen und sich das eigene Machwerk einmal aus der Ferne anzusehen, um für künftig Schritte gewappnet zu sein: Was können wir davon tatsächlich erreichen? Sind unsere Ambitionen realistisch? Und wie vermitteln wir all das bestmöglich unseren Fans und potenziellen Spielern, sodass diese ein klares Bild von dem bekommen, was „No Man‘s Sky“ sein wird? Ob sich diese Fragen je gestellt wurden weiß ich nicht. Auf jeden Fall ging Sean Murray weiter auf die Bühnen der großen Spielemessen, ließ sich munter interviewen und nicht im entferntesten anmerken, dass Vorstellung und Realisierbarkeit im Fall seines Weltraum-Babys allmählich ins Wanken zu geraten schienen.




AKT 3 – Realitätsabgleich 

Und dann kam es raus. Der Hass war nicht sofort da. Es dauerte ein paar Tage, viele waren zu Beginn noch recht positiv gestimmt. Die Leute spielten und bemerkten jedoch schnell, aus welchen monotonen und wenig komplexen Strukturen „No Man‘s Sky“ bestehen zu schien. Es kamen die ersten Reviews, gefolgt von diversen Reddit-Threads, die sich vor allem die Aussagen von Sean Murray genauer ansahen und detailliert Informationen herausfilterten, die zwar angepriesen wurden, es allerdings nicht ins fertige Spiel geschafft hatten. Dann fiel der spielenden Meute plötzlich ein, dass sie ja 60 Euro für diesen Titel hingeblättert hatte, der nun scheinbar jeglichen Wert abhanden gekommen war und der Hate-Train nahm seine Fahrt auf. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mir fällt es ehrlich gesagt ein wenig schwer, im Causa „No Man‘s Sky“ einen eindeutigen Schuldigen zu finden. Fakt ist, dass hier vieles passiert ist, was nicht hätte passieren sollen.


Angefangen natürlich bei Sean Murray selbst. Sieht man sich das Videomaterial an, dass seine unehrliche Informationskommunikation im Fall „No Man‘s Sky“ widerspiegeln soll, so ist es schwer ihn NICHT als Lügner zu klassifizieren. Ich will ihm eigentlich kein Kalkül beimessen und wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass Murray selbst ein Opfer seiner eigenen „Lügen“ wurde. Sean Murray liebte sein Spiel, ich denke, dass hat man an diversen Stellen gemerkt und ich denke, dass seine offenkundige Euphorie auch nicht gespielt war. Ich kann mir gut vorstellen, dass er selbst seiner eigenen Vision und kunterbunten Ideenwelt von all dem was toll in sein Spiel passen würde, verfallen ist und sich irgendwann nur noch in einem Tunnel befand, in dem alles so zu sein schien, wie es der Traum eines perfekten „No Man‘s Sky‘s“ in seiner eigenen Vorstellung war. Der Molyneux-Effekt quasi. Dies würde erklären, dass Murray selbst im weit fortgeschrittenem Status der Entwicklung, die gleichen PR-Taktiken verfolgte, wie zur Anfangsphase des Spiels. Auch Sony muss ein Fehler attestiert werden, da sie mit ihrer dem Content des Spiels nicht gerecht werdenden Marketingkampagne mithalfen, den AAA-Flair von „No Man‘s Sky“ aufrecht zu erhalten, den das Spiel allerdings nicht gerecht werden konnte. Und auch die Spielepresse kann nicht vom mahnenden Zeigefinger verschont werden, den hier wurden während der Jahre der Entwicklung mit Gusto die Superlative aus der PR- und Marketingsparte übernommen und in vor Hype triefende Artikel verbaut.




Was ich allerdings an dieser ganzen Geschichte mit am traurigsten finde, (um hier langsam mal zum Abschluss zu kommen) ist der potenzielle Einfluss vom Fall des Sean Murray auf die Indie-Entwicklerszene. Die Tatsache, dass ein Mensch hier für ein mehrere Jahre umspannendes Projekt sein Gesicht hergibt und damit dem Spiel eine kreative Greifbarkeit, einen Charakter und eine Identifikationsmöglichkeit verleiht, spiegelt eigentlich das wieder, was Spieleentwicklung in meinen Augen heutzutage in vielen Aspekten fehlt und ein Schritt in die richtige Richtung ist. Vielen großen Spieleproduktionen fehlt es heutzutage an einer Seele, einem kreativen Kopf der die Richtung angibt, einer Figur mit Gesicht, die man als Spieler im besten Fall auch kennen und verstehen lernen kann. Sean Murray war ein solcher Mensch. Er sprach von seinen Einflüssen und Träumen, die dazu führten, dass er schließlich bei „No Man‘s Sky“ landete. Und er fiel dabei phänomenal auf die Schnauze. Als sonderlich inspirierend kann man die Arbeit von Murray mittlerweile nicht mehr betiteln und es ist fraglich, welchen Einfluss seine Geschichte auf den Mut und Tatendrang von angehenden Entwicklern haben könnte, die teilweise mit ähnlichen Ambitionen und Wünschen an die Spieleentwicklung herangehen und nun im Fall von Hello Games das Scheitern und Zerbersten eben dieser Arbeit mitangesehen haben.


Es macht mir ein wenig Angst, dass weder Hello Games, noch Sean Murray sich bisher mit der überwiegend negativen Kritik und vor allem dem Aspekt der „Falschinformationen“ auseinandergesetzt haben. Man kann nur ahnen, was in den Hallen des 15 Mann Teams von statten geht. Entweder wird mit zunehmend weiter herunterhängenden Mundwinkeln eine Flasche Hochprozentiges nach der anderen geleert, oder es werden sich die Finger wund programmiert für anstehende Updates, im Versuch Dinge wieder halbwegs ins Lot zu rücken. Vielleicht auch beides. Trotz des Fiaskos würde ich es Hello Games wünschen, sich wieder aus dem Loch in welches sie ohne Frage gefallen sind, befreien zu können. Die Akte „No Man‘s Sky“ ist auf jeden Fall noch nicht geschlossen und es bleibt abzuwarten, was mit diesem Spiel in Zukunft noch angestellt wird. Allerdings muss man ebenfalls zugestehen; mit welcher Überraschung Hello Games auch immer um die Ecke kommen mag – der angerichtete Schaden, wird auf immer eine hässliche Narbe zurücklassen, die nur schwer verblassen wird.